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Erfolgreich negativ Denken – von der zerstörerischen Kraft der Optimisten

Erfolgreich negativ Denken – von der zerstörerischen Kraft der Optimisten

Vorweg: ja, ich gehöre nicht nur zu den Berufsoptimisten, ich bin es auch tatsächlich. Trotzdem weiß ich sehr genau, wie schädlich positives Denken mitunter (ACHTUNG: ausdrücklich „mitunter“) sein kann. Dafür gibt es inzwischen viele Beispiele aus der Forschung, die von mir und anderen Kollegen gern unter den Tisch gekehrt werden. Von meiner Seite aus ist damit jetzt Schluß: Hier kommt eine Ode an den Pessimismus!

 

Ein Pessimist zu sein hat den Vorteil dass man entweder ständig Recht behält oder angenehm überrascht wird.

Das Journal of Personality and Social Psychology berichtet 2013 (http://psycnet.apa.org/record/2013-18039-001), dass der Optimismus in jungen Ehen und/oder Beziehungen letztendlich der Grund für viele später folgende Probleme ist. Eine gesunde Skepsis hingegen wirke eher stabilisierend auf die Beziehung. Im Berufsleben sieht es ähnlich aus: Selbstständig mit einem gesunden Hang zum Pessimismus erzielen laut einer Studie des Institute for the Study of Labor (https://www.iza.org/de) im Schnitt 25 % mehr Einkommen als ihre fröhlichen Kollegen auf der optimistischen Seite des Lebens …

 

Positives Denken kann (!) ein Energiefresser sein

Auch die Professorin für Psychologie an der Universität Hamburg Gabriele Oettingen ist überzeugt: positives Denken kann hinderlich sein! Denn, so die Ergebnisse ihrer Forschung, die positiver Denker entspannen sich durch ihre positiven Gedanken dermaßen, dass ihnen die notwendige Handlungsenergie leider flöten geht. So hat Oettinger beispielsweise ihre Studentinnen intensiv an ihre Traumschuhe denken lassen und sie anschließend getestet. Dabei stellte sie fest, dass der Blutdruck der Studienteilnehmerinnen sank und damit auch ihr Energielevel. Ähnliche Ergebnisse erhielt sie beim Vorstellungsgesprächexperiment. Teilnehmer die sich vor dem Gespräch vorstellten, ein großartiges Gespräch zu führen und sich in ihrem Tagtraum von ihrer besten Seite zeigten, verdienten später weniger. Wenn sie den Job überhaupt bekamen, denn in beiden Bereichen waren die Testteilnehmer erfolgreicher, die negative Gedanken zugelassen hatten. Fazit: positives Denken kann (ACHTUNG: kann!!!) ein Energiefresser sein.

 

Positives Denken entspannt. Negatives Denken stresst. Beides zusammen ist unschlagbar.

Nur negatives Denken bringt allerdings auch nicht ans Ziel und macht auf Dauer unglaublich unentspannt. Was also tun? Professorin Oettingen hat hierfür die sogenannte Woop Methode entwickelt. Eigentlich ganz unspektakulär, aber sehr effektiv. Es geht um wish, outcome, obstacle und plan. Also um Wunsch, Ergebnis, Hindernis und Plan. Was auch schon die Komponenten der Methode sind. Grundidee ist, sich das Ziel positiv auszumalen, ohne dabei die Hindernisse zu vergessen und diese auch einmal im Gedankenkino zu durchlaufen. Selbstverständlich mit allen dazugehörigen Gefühlen, auch den negativen. Am Ende steht der Plan, der aufgrund der positiven UND der negativen Gedanken und Gefühle entstanden ist. Dieses Prinzip ist die „mentale Kontrastierung“.

 

Immer schön der Reihe nach visualisieren!

Der Sportpsychologe und einer meiner Mentoren Jürgen Lohr hat es mal so beschrieben. Viele Profifußballer würden sich gern vorstellen, wie sie nach einem Elfmeter an die Eckfahne rennen und jubeln. Sein Rat an die Jungs: immer schön der Reihe nach. Erst mal vorstellen, was zu tun ist und welche Hindernisse wie zu überwinden sind. Dann wird gejubelt. In der mentalen Arbeit, wie im richtigen Leben.

Für die Führung von Mitarbeitern gilt das Gleiche. Ein fröhliches „Wir schaffen das“, funktioniert nicht. Gesunder Realismus ist angebracht und dazu gehören eben auch negative Gedanken. Natürlich ist es angenehm einem verheißungsvollen Ziel entgegenzugehen, aber den anstrengenden Weg zu unterschlagen ist nicht nur naiv, es ist vor allem kontraproduktiv.

 

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