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Keynote "Öfter mal die Klappe halten – Wer ständig sendet, wird nicht gehört"

Keynote "Öfter mal die Klappe halten - Wer immer sendet, wird nicht gehört"

Vor ein paar Tagen habe ich den Vortrag "Öfter mal die Klappe halten – Wer ständig sendet, wird nicht gehört" auf dem Uponor Kongress in Tirol gehalten. Aufgrund der großen Resonanz, hier Teile des Vortrages als Blogartikel:

Wer als Kind das Buch "Momo" von Michael Ende gelesen hat, der erinnert sich vielleicht an eine kleine Nebengeschichte. In dieser wird erzählt, wie gut Momo zuhören konnte. Wir sind immer so wahnsinnig klug, wenn wir unseren Kindern Geschichten erzählen. Geschichten, die selbstverständlich eine tiefere Botschaft haben. Momo ist so eine großartige Geschichte, in der es in der Hauptsache um Zeit geht. Das Zuhören spielt nur eine ganz kleine Nebenrolle. Wie im echten Leben. Dabei wünschen wir uns doch alle viel öfter gehört zu werden. Was für ein erhebender Gedanke …

 

Genug geträumt … Wir alle wissen: Die Realität sieht anders aus!

Oder um es mit den Worten Tucholskys zu sagen:

Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

Sicher kennst Du auch Leute, die einem nie richtig zuhören? Die immer noch irgendwas nebenbei machen … Handy daddeln, Computer tippen … Oder: meine Lieblingsfraktion … Mitten im Gespräch ans Telefon gehen … Und jeder hat es schon mal erlebt, dass sie oder er was erzählt und der andere geht plötzlich raus, guck weg oder fängt mitten in ihrem wichtigen Satz ein ganz anderes Thema an ...

 

Eine meiner besten Freundinnen macht das andauernd. Wir sitzen im Restaurant, ich erzähle ihr irgendwas wirklich wichtiges und mitten in einem wirklich wichtigen Satz von mir guckt sie sich um und fragt „Willst Du auch noch was trinken?“ Ich hasse das. Falls sich die Herren jetzt wundern: Jaaa, Frauen machen das untereinander auch. Mein Mann behauptet zwar immer wieder, ich würde das mit ihm auch machen, aber - unter uns - ich glaube das sagt er nur, um von sich selbst abzulenken. Ich bin nämlich eine echt gute Zuhörerinn! Das glauben tatsächlich viele von sich: in guter Zuhörer zu sein!

 

Da sind wir alle in guter Gesellschaft. 96% der Erwachsenen halten sich Umfragen zu Folge für gute Zuhörer. Trotzdem können wir uns des Gefühls nicht erwehren, dass keiner mehr wirklich zuhört, oder? Das scheint doch irgendwie nicht zusammen zu passen … Natürlich ist es in Zeiten von Smartphones, Emails und höher, schneller, weiter gar nicht so leicht wie die kleine Momo einfach nur zuzuhören. Wir sind auf Sendung. Klar, wir haben ja auch alle eine Menge zu sagen. Wir kommunizieren gerne. Wir kommunizieren viel.

Frage: Wer hat schon mal einen Gesprächführungs-, Präsentations- oder Rhetorikkurs gemacht?

Gegenprobe: Wer hat schon mal einen Kurs in Zuhören gemacht?

Komisch, oder? Dabei gehören zu guter Kommunikation doch immer zwei. Einer der spricht und einer der zuhört oder? Wir kommunizieren doch nicht einfach vor uns hin … Ein gutes Gespräch lebt von der Qualität des Gesprächspartners. Ich gehe auf jeden Fall noch einen Schritt weiter. Gute Kommunikation lebt von der Qualität des Zuhörens.

 

Moderne Kommunikation = Monologe in Gegenwart von Anderen

Und damit Du Deine Zuhörerqualitäten noch weiter ausbaust, gebe ich Dir heute fünf Regeln mit die Dich zu einem unwiderstehlichen Zuhörer machen. Von guten Zuhörern kann die Welt nicht genug haben.Denn was wir heute so Kommunikation nennen ist in der Regel folgendes Szenario: zwei oder mehr Menschen stehen oder sitzen zusammen in einem Raum und halten Monologe in Gegenwart des anderen. Mit viel Glück sind die Monologe thematisch miteinander verwandt …. So Großcousins fünften Grades oder so … Verwandtschaftlich soweit auseinander, dass die Inzestgefahr bei Null liegt würden die beiden Themen Kinder kriegen. Nun muss man sich aber keine Sorgen machen, denn zum Kinder kriegen gehört ja immer ein Austausch. Das ist bei dem, was in Firmen und oft auch auf privater Ebene landauf landab Kommunikation genannt wird aber nicht der Fall. Das was wir in der Regel für Kommunikation halten ist vieles, aber kein fruchtbarer Austausch.

 

Das was wir heute für ein Gespräch halten ist in der Regel nicht mehr als eine mehr oder weniger differenzierte Geräuschkulisse. Denn wenn niemand zuhört ist es vielleicht nicht mal das. Wer kennt die folgende philosophische Frage: Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand ist dort, um es zu hören. Macht der Baum dann ein Geräusch? Wer kennt es?

Machen wir uns doch einmal den Spaß und wandeln die Frage ein wenig ab. Wenn ich eine Meinung oder eine Idee habe und keiner hört mir zu, wenn ich sie erzähle … Gibt es die Idee überhaupt? Wenn man es recht überlegt, gar nicht mehr so spaßig, oder?

 

Zuhören ist Wertschätzung! Ich werde immer wieder gefragt „Mensch, Anja, wie mache ich das denn mit der Wertschätzung? Ich kann ja nicht ständig rumlaufen und jeden alle Nase lang loben …“ Darum geht es bei dem Thema Wertschätzung auch gar nicht. Wertschätzung heißt nicht jemandem Honig um den Bart zu schmieren. Wertschätzung heißt „Ich sehe Dich“ und vor allem „Ich höre Dich“ Ich höre Dir zu.

Im letzten Jahr haben die Krankenkassen wieder mal rausgefunden, dass jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland innerlich gekündigt hat und in seinem Job nur noch das Notwendigste erledigt.

 

Das klingt nicht viel, aber wenn sie sich den unternehmerischen Schaden ausrechnen, dann denken sie vermutlich ganz anders. Der wichtigste Auslöser für mangelndes Engagement ist mangelnde Wertschätzung. Dabei ist es so einfach! Wir müssten einfach nur mehr zuhören. Wir lieben Menschen die uns zuhören!

Ich mag das auch. Wenn ich was besonderes erlebt habe, dann finde ich es großartig, wenn ich es erzählen kann. Und wenn mir dann jemand nicht nur zuhört, sondern auch noch Fragen stellt, dann bin ich fast schon verliebt. Kennen Sie, oder? Wissen Sie woher das kommt:

Sprechen ist tatsächlich geil. Zumindest für unser Gehirn. Das haben Diana I. Tamir and Jason P. Mitchell in Harvard 2012 rausgefunden. Sie haben Probanden in einen PET Scan - einen Positronenemissionstomografen - gesteckt und sprechen lassen. Dabei haben sie festgestellt, dass im linkischen System - also im Gefühlszentrum ihrer Versuchspersonen beim Erzählen genau die gleichen Bereiche im Hirn geleuchtet haben wie bei Sex oder wie wenn jemand Heroin nimmt … Und wer dann auch noch von sich selbst spricht, bei dem leuchtet es nochmal bunter …

 

Sprechen ist für das Gehirn wie Heroin!

Und mal Hand aufs Herz (machen) es ist doch toll, wenn wir über uns bzw unsere Meinung sprechen … Das ist Gesellschaftlich jetzt nicht so wahnsinnig anerkannt. Klar, Leute die ständig über sich selbst sprechen und zu allem ihre Meinung in den Orbit pusten, die finden wir unangenehm … Aber auch nur, weil sie uns die Gelegenheit zu unserem eigenen Hirnorgasmus klauen!

Schon mit 9 Monaten, fangen Kinder an, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen, um sie dann auf etwas zu lenken, was sie selbst spannend finden. Und dieses Verhalten behalten wir bei. Warum das so ist, dass wissen die Forscher nicht so genau. Die Vermutung geht dahin, dass das Teilen von Erfahrungen einen evolutionären Vorteil bot. Zumindest in der Steinzeit … Vielleicht wurde zu der Zeit auch noch besser zugehört … Wer weiß …

 

Erste Regel: Wenn Sie zuhören machen Sie ihrem Gegenüber eine echte Freude. Gönnen Sie Ihrem Gegenüber einfach seinen Sprechorgasmus.

 

Ich weiß, es ist nicht so einfach, die eigene Sprechfreude hinten an zu stellen, aber es lohnt sich! Gute Zuhörer haben nicht nur ihren eigenen Mitteilungszwang im Griff, auch Ihre Freude an technischen Spielzeugen …

Heute in Zeiten von Smartphone und ständig verfügbarem Internet wird es zunehmend schwerer sich auf ein einfaches Gespräch zu konzentrieren. Bitte … Versteht mich nicht falsch: Ich liebe mein iPhone, mein iPad und vor allem meinen iMac … Ich rast förmlich aus, wenn ich einen kurzen Post bei Facebook lese und dann zur neuesten Studie über Gruppendynamisches Verhalten im Multimedialen Kontext zu springen, um kurz danach einen Beitrag eines Bekannten zu liken … Toll! Ich kann mir gut vorstellen, wie mein Hirn bei diesen Aktivitäten unter dem PET-Skanner leuchtet wie eine Discokugel … Kokain - Ha! - Das ist was für Anfänger: Multitasking heißt die Droge, die wir uns in den Kopf blasen … Und so schön Nebenwirkungsfrei … Gell? Das ist leider ein Trugschluss … Multitasking ist der Aufmerksamkeitskiller Nummer eins! Und, keine Aufmerksamkeit = kein gutes Zuhören … Auch das Märchen, dass Frauen angeblich Multitasking könnten und Männer nicht ist Quatsch. Multitasking mach einfach nur doof und langsam. Das ist alles.

 

Forscher des Londoner King’s College haben sogar nachgewiesen, dass es effizienter ist, vor der Arbeit einen Joint zu rauchen und dann eine Aufgabe zu erledigen, als sich nüchtern während der gleichen Aufgabe mit den eigenen E-Mails zu befassen!

Okay, in der Regel lesen wir keine E-Mails während wir uns unterhalten … Oder … Hm … Naja, manchmal vielleicht … Könnte ja wichtig sein … Und wir kriegen ja doch alles mit … Wer sich jetzt ertappt fühlt ist in guter Gesellschaft. Ist mir früher auch oft passiert. Heute ist mein E-Mail-Programm aus, wenn ich mich unterhalte bzw. Ich klappe meinen Laptop ganz bewusst zu. Und mein Smartphone ist auch nicht nur außer Reichweite, sondern aus dem Sichtfeld.Denn auch das haben findige Wissenschaftler bereits nachgewiesen: Die bloße Gegenwart eines Smartphones beeinträchtigt die Konzentration nachhaltig. Japanische Forscher haben Studenten ein paar Computeraufgaben gegeben. Eine Gruppe hatte einen Schreibblock neben dem PC liegen, die andere Gruppe ein ausgeschaltetes Smartphone. Die Smartphone Gruppe brauchte für alle Aufgaben länger …Mit anderen Worten: unser Smartphone beeinflusst unsere Konzentrationsfähigkeit. Weg mit den Dingern bei Gesprächen, Unterhaltungen und Verhandlungen!

 

Die zweite Regel für wirklich gutes Zuhören: Kein Multitasking! Alle Ablenkungen von außen abstellen und am besten auch außer Sichtweite!

Zuhören ist eh schon anstrengend genug! Während der durchschnittliche Erwachsene ca. Bis zu 200 Wörter in der Minute sprechen kann, kann er rund 500 Wörter in der Minute hören bzw. Verarbeiten. In der Rechnung scheint der liebe Gott ganz offensichtlich einen Fehler gemacht zu haben: Wo sind denn die 300 Wörter Differenz geblieben? Da wir ja auch in Wörtern denken, nutzt unser Hirn die restlichen 300 Wörter, um über das gesagte nachzudenken … Oder auch nicht … Wenn es langweilig wird, dann geht es eben auf Gedankenwanderschaft und nimmt die 200 Wörter Kapazität die wir zum Zuhören bräuchten gleich mit … Manchmal unterbrechen wir dann unser Gegenüber oder wir lassen uns einfach so davon tragen … Das hat jeder schon mal erlebt, auch bei seinen Zuhörern …

Wenn wir dann noch einen besonders langsamen Sprecher oder - nervigen Sprecher vor uns haben, dann findet unser Gehirn das so blöd, dass es anfängt „Fill-in-the-blanks“ zu spielen.

 

Wer seinen Gedanken folgt, folgt nicht dem Gespräch!

Unser Gehirn ist ja in der Regel eh andauernd mit irgendwas beschäftigt. Bei Frauen ja angeblich noch viel schlimmer als bei Männern …Aber auch Männer kennen das Phänomen, dass ihre Gedanken davon galoppieren, wenn sie einen langweiligen Gesprächspartner vor sich haben. Oder noch schlimmer: das Gehirn klinkt sich aus und macht einfach Pause. Dann schaut das Gegenüber auf einmal erwartungsvoll und sie haben keinen blassen Schimmer, wovon er oder sie gerade gesprochen hat. Wenn es dann noch die Partnerin oder der Partner ist, dann ist das was folgt nicht lustig … Dann gibt es ein Beziehungsgespräch. Und das sieht in der Regel so aus: Sie spricht und er … Er ist verloren … Lächeln … Da lohnt es sich doch gleich von Anfang an sein Gehirn unter Kontrolle zu haben.

Dazu kann jeder! Hierzu mal eine kleine Übung. Und zwar: eine Minute keine Gedanken. Jetzt werden vielleicht einige Herren sagen: das ist ja einfach … Aber zu früh gefreut: Ohne einzuschlafen!Den Handytimer stellen und einfach mal ausprobieren. Dabei stellt man fest, wie lang so eine Minute auf einmal sein kann.Unsere Gespräche sind in der Regel aber länger. Speziell wenn jemand aufgeregt ist oder sich aufregt. Ich auch, ich kann mich ganz schlecht kurz fassen. Ich neige dann zu Sprechdurchfall … Gerade im leidenschaftlichen Meinungsaustausch … Wir reden und reden ohne Punkt und Komma, um unserer eigenen Meinung mehr Raum zu verschaffen. Und dann wird es fatal: Wir müssen irgendwann Luft holen. Und der Anderer lauert genau darauf, um wie mit einem Dolch in diese lebensnotwendige Lücke zu stoßen … Und zack sind wir zum Zuhören verdammt. Koitus interuptus für unser Gehirn. Schluß mit dem Synapsenorgasmus … Jetzt sind wir dran mit Lauerstellung.

 

Viele werden die folgende Situation kennen: Wir sind in einer leidenschaftlichen Debatte mit Kollegen, Chef oder Schatzi und wir wissen schon ganz genau, wie der Satz unseres Gegenübers enden wird? Und jeder weiß auch, dass es extrem ärgerlich ist, wenn er selbst Kollege, Chef oder Schatzi ist und unterbrochen wird? Das ist nicht schön! Für beide Seiten nicht. Aber das Problem entsteht nicht beim Sender. Es entsteht beim Zuhörer. Denn der hört nämlich gerade nicht zu. Er denkt er hört zu. Was er aber in Wirklichkeit tut, ist seinen eigenen Schlussfolgerungen zu folgen und nicht dem Gespräch …

Ich gebe zu, dieser Punkt ist auch meine Achillesferse in Gesprächen. Mir hat ein Tipp eines ehemaligen, sehr geschätzten Kollegen geholfen. Er hat zu mir gesagt: „Anja, wenn Du nicht bis zum Ende zuhörst, verpasst Du vielleicht etwas Wesentliches oder etwas, das Du bisher nicht gewusst hast und bringst Dich um die Lernchance Deines Lebens.“ Das fand ich ja schon toll, aber mein Ego wollte noch nicht so richtig auf den Zug aufspringen. Also habe ich entgegnet:“ Ach komm, in mindestens 90% der Fälle weiß ich doch, wie es ausgeht“ worauf er mich ruhig anschaute und sagte …. „Ja, das glaube ich auch … Aber die Möglichkeit, dass Du etwas erfährst, was Du noch nicht weißt, die hast Du aufgegeben …“

Damit hatte es mich! Die Möglichkeit, dass ich etwas erfahre, was ich noch nicht weiß kommt nie wieder …

Für ein wirklich gutes Gespräch reicht es nicht, wenn nur darauf lauern, wann wir wieder Sprechdurchfall haben dürfen. Ein gutes Gespräch ist wechselseitiges Zuhören. Natürlich erfordert es am Anfang Geduld und Gedankenkontrolle. Wer sich im Geiste schon mit dem nächsten Argument befasst, der KANN nicht mehr zuhören. Er ist ja geistig aus dem Gespräch schon ausgestiegen … Das ist der Grund, warum wir so oft mit einem schalen Beigeschmack oder sogar mit der Gewissheit aus Gesprächen gehen: Meine Botschaft ist nicht angekommen. Weil jeder bei seiner Botschaft bleibt.

 

Wenn wir uns die aktuelle politische Meinungslandschaft anschauen, dann haben wir ein großes Problem: Niemand hört mehr zu. Warum haben so viele Menschen in einem der reichsten Länder der Erde das Gefühl abgehängt zu sein, obwohl sie es in der Regel faktisch gar nicht sind. Eigentlich gar kein neues Phänomen, denn schon Goethe wusste:

Gegner glauben uns zu widerlegen, indem sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsere nicht achten.

Das gilt übrigens für beide Seiten!

 

Dritte Regel: Erinnere Dich an Deine gute Kinderstube und höre IMMER bis zum Ende zu!

Zuhören ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Verständnis füreinander und auch der Schlüssel zur Problemlösung. Jeder gute Therapeut weiß das. Der Begriff Gesprächstherapie ist eher irreführend: Es müsste Zuhörtherapie heißen, denn dass, was Therapeuten tun ist in der Regel einfach nur Zuhören. Aus diesem Bereich stammt übrigens auch die Technik des aktiven Zuhörens mit so Empfehlungen: nicken sie …. Geben sie bestätigende Geräusche wie mmm oder aha von sich …. Oder noch besser: ahmen sie die Bewegungen ihres Gegenübers nach damit ihr Gesprächspartner merkt, dass sie ihm zuhören …

Meine Empfehlung: Vergiss es!

Stellen Dir mal vor, was passiert, wenn Du ihm TATSÄCHLICH zuhören würdest? Wenn Du diese ganzen Techniken einfach vergisst, Deinen Geist beruhigst, Dich konzentrierst und Dir eine Haltung zulegst die da heißt „Gleich sagt sie oder er etwas, das habe ich so noch nie gehört und wird meine Gedankenwelt bereichern“. Ich wette, dass Dein Gegenüber dann das Gefühl hat, Du würdest ihm zuhören. Und Du musst Dich auf nichts anderes mehr konzentrieren: nur auf das Zuhören …

Vierte Regel: 100% Anwesenheit … Entscheide Dich für oder gegen ein Gespräch. Nur mit einem Ohr dabei sein, geht nicht!

Wer mit seinen Gedanken nicht bei dem Gespräch bleiben kann: dann raus aus dem Gespräch. Aber geben Sie sich nicht mit Halbheiten zufrieden. Das Ergebnis wird für beide Gesprächspartner unbefriedigend sein. Natürlich ist das noch nicht alles … Wie bei allem im Leben: Es ist nie der eine Grund und es ist nie die einfache Wahrheit. Das Leben ist vielschichtig genau wie wir auch.

Warum fällt es uns also außer dem bereits gesagten so unendlich schwer zu zuhören. Weil es in unseren gelernten Führungsstrukturen - und da schließe ich das Privatleben ausdrücklich mit ein - um Macht geht! Und wer redet hat Macht. Wer redet besetzt den akustischen Raum und beansprucht so dieses Territorium für sich. Und ….!!! …. Was noch dazu kommt: Er kann seine Meinung darstellen und genau in diesem Moment ist es die Wahrheit, die im Raum steht. Eine Frage verdeutlicht diese Theorie sehr schön: Wer von Ihnen glaubt, dass Donald Trump irgendwen ausreden bzw. Zu Wort kommen lässt, der nicht seiner Meinung ist? Hmmm, ich glaube das auch nicht. Denn beim Sprechen geht es darum den akustischen Raum zu besetzen! Das hindert uns aber auf der anderen Seite am Zuhören. 

Warum ist Donald Trump wohl so unglaublich unbeliebt bei Intellektuellen … Abgesehen davon, dass er ein anderes Verständnis von Fakten hat als die meisten Menschen auf dieser Welt … Genau: Er hört nicht zu! Zumindest vermittelt er sehr stark den Eindruck, als würde er es nicht tun.

Zum Vergleich Barack Obama. Obama hat immer den Eindruck vermittelt zuzuhören …

Der Physiker Werner Heisenberg hat es so formuliert:„Auch das lauteste Getöse großer Ideale darf uns nicht verwirren und nicht hindern, den leisen Ton zu hören, auf den es ankommt.“

 

Regel Nummer fünf: Wer Macht abgibt wird Macht gewinnen.

Gib anderen Menschen Raum und lassen sie gelten. Du musst die Meinung ja nicht übernehmen. Echte Souveränität ist, wenn man eine andere Meinung als solche stehen lassen kann.

Und noch ein letzter Tipp, den Du auf alles anwenden kannst, was Du hier liest: Du musst es umsetzen. Die Weisheit „Wissen ist Macht“ macht nur Sinn, wenn Du auch ins Tun kommst. Wissen allein ist im Prinzip gar nichts. Den Umsetzern gehört die Welt. So ist es auch bei den erfolgreichen Zuhörern. Wie alles, was uns Menschen betrifft, beginnt gutes Zuhören in unserem eigenen Kopf. Wenn wir es schaffen, den Gedankensturm in unserer Birne zu beruhigen und nicht immer heiß auf den nächsten Sprechorgasmus schielen, dann passiert etwas magisches: nur durch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken wir unserem Gegenüber Anerkennung und Wertschätzung. Wir müssen gar nicht viel dafür tun, dass sich unsere Mitarbeiter, unsere Kollegen, unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Kinder und Schatzi anerkannt und wertgeschätzt fühlen. Wir müssen nur unsere Gedanken in den Griff bekommen und zuhören.

Aber ganz egal, wie wir persönlich ins echte Zuhören kommen wollen: Wir tun damit ganz viel für unser eigenes Seelenheil. Denn was bzw. wen lieben wir Menschen am meisten?

Wir lieben die, die an uns glauben. Wir lieben die, die uns zuhören.

 

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