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Warum Du kein guter Menschenkenner bist ...

Warum Du kein guter Menschenkenner bist ...

Keine Sorge, Du bist in guter Gesellschaft! Wir sind grundsätzlich alle schlechte Menschenkenner. Warum? Ganz einfach, weil wir glauben, dass George Cloony ein Kaffeeexperte ist, ein junger, ausländisch aussehender Mann gefährlicher ist als der blonde Mann von gegenüber und Nelson Mandela ein durch und durch guter Mensch sein muss … Das wissen wir aber nicht und es ist tatsächlich sogar unwahrscheinlich, denn wir gehen einem der populärsten Denkfehler auf den Leim: dem Halo-Effekt.

 

Die größten Stärken unseres Gehirns sind seine größten Schwächen.

Der Halo-Effekt ist der Denkfehler, den wir am häufigsten machen, ohne ihn zu bemerken. Dabei schließen wir von einer Eigenschaft einer Person oder Sache auf ihre restlichen Eigenschaften. Bei Wikipedia finden wir dazu: „… Unter dem Effekt wird die Tendenz verstanden, faktisch unabhängige oder nur mäßig korrelierende Eigenschaften von Personen oder Sachen fälschlicherweise als zusammenhängend wahrzunehmen …“

Unser Gehirn liebt Klischees!

Ein schönes Beispiel dafür sind Profi-Fußballer und allgemein Leistungssportler. Aufgrund ihrer sportlichen Leistung gehen wir davon aus, dass sie auch im späteren Leben problemlos herausragende Leistungen bringen. Zum Beispiel in der Wirtschaft. Karl-Heinz Rummenigge ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es offensichtlich so ist. Aber machen wir uns nichts vor: auf einen Karl-Heinz Rummenigge kommen dutzende, die inzwischen ein ganz durchschnittliches Leben führen. Die sehen wir nur nicht, weil uns der Halo-Effekt blendet.

Die Entdeckung des Effektes wird in einigen Büchern Edward Lee Thorndike zugeschrieben, der rund um den ersten Weltkrieg viel dazu forschte. Aber wie es manchmal so ist: Frederic L. Wells hat ihn Jahre vorher schon beobachtet. Allerdings hat Thorndike eine spannende, gut verständliche Studie vorgelegt, was vermutlich der Grund dafür ist, dass ihm die Entdeckung häufig zugeschrieben wird. In einer seiner Studien hat er Offiziere gebeten, ihre Soldaten zu beurteilen z.B. Intelligenz und Führungsqualitäten. Das Ergebniss waren ein paar absolute Supertypen und erstaunlicherweise blieb der Rest signifikant unterdurchschnittlich. Jede Statistik spricht gegen so ein Ergebnis. Bei der Auswertung kam heraus, dass die Offiziere die Soldaten für Supertypen hielten, die eine gute Körperhaltung und ein attraktives Gesicht hatten.

 

Du musst nicht alles glauben was Du denkst ...

Bei Führungskräften und bei Personaleinstellungen hat der Halo-Effekt fatale folgen. Schöne Idioten werden hochgelobt und fähige Fachkräfte mit Lücken im Lebenslauf nicht eingestellt. Was aber tun? Eines vorweg: verhindern kannst Du den Halo-Effekt nicht. Wir denken in Mustern und das können wir auch nicht ändern. Aber wir können uns den Halo-Effekt immer wieder bewusst machen. Wir können um eine zweite und eine dritte Meinung bitten (und diese möglichst auch ernst nehmen) und wir können Klischees mit Skepsis begegnen. Damit meine ich um Himmels willen nicht, schöne Menschen immer auf den Prüfstand zu stellen. Ich meine damit, dass wir unser Urteil auf den Prüfstand stellen. Sind übergewichtige Menschen wirklich faul? Sind Leistungssportler wirklich zu wirtschaftlichen Höchstleistungen im Stande? Wer seinem eigenen Urteil mit Skepsis begegnet, der hat in der Regel weniger Vorurteile …

 

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